reingeschaut



 
Birgit Arens-Dürr hat ...
bei Wolfgang Uhl ´reingeschaut

Roher Stein bestimmt das Design


Aus Steinen kreiert Wolfgang Uhl 

in seinem Atelier in Rumpenheim 

Unikat-Schmuckstücke. 

Es sind keine geschliffenen Präzisiosen, 

die er dafür auswählt. Rau, eckig und 

kantig dürfen sie sein. 

Mal nimmt er Edelsteine, dann interessant geformte Kiesel vom Feld.



Im ehemaligen Marstall des Rumpenheimer Schlosses hat Wolfgang Uhl sein Schmuckatelier eingerichtet. 
Ringe, Ketten, Armbänder und Ohrgehänge gibt es dort in Regalen und flachen Schubladen zu entdecken. 
Manche baumeln von der Decke, andere sind auf Karten befestigt und in Karteikästen sortiert. Der Besucher soll auf Schatzsuche gehen. Stets sind es Steine, die Uhl in Szene setzt. Einige funkeln farbig. Andere sind schlicht, wie ein bizarr geformtes Stück Straßenschotter, das eine Kette ziert oder Fossilien aus Offenbacher Gefilden. 
„Ich bearbeite die Steine nicht, sondern lasse sie, wie ich sie finde oder bekomme“, erklärt der Kreative. Um sie zu fassen oder zu befestigen, verwendet er Silber. Oft kombiniert er sie mit Süßwasser- oder Steinperlen.


Wolfgang Uhl setzt Steine,

wie diesen Copal an einer Ypsilon-Kette, 
wirkungsvoll in Szene.
Foto: Arens-Dürr/IHK
Offenbacher Wirtschaft 10/2015

„Ich bin kein ausgebildeter Goldschmied, sondern Maschinenbau-Ingenieur“, berichtet Uhl. Das Fach habe ihn aber nicht fasziniert. Er hängte sein Diplom an die Wand und wurde 1980 freischaffender Künstler - zuerst Keramiker, dann Schmuckgestalter. „Die Schmuckherstellung habe ich mir ,learning by doing' beigebracht. Bei den technischen Überlegungen kommt mir das Studium allerdings zugute“, sagt er. Goldschmiede staunten immer wieder über die unkonventionellen Wege, auf denen er Stein und Metall verbindet. „Aber alles hält sehr gut“, versichert er. 
19 Jahre lang betrieb er sein Gewerbe in der Offenbacher Innenstadt. Als der Mietvertrag für die Räume in der Geleitstraße nicht verlängert wurde, verlegte er es an seinen Wohnort Rumpenheim. „Wohnen und arbeiten kombinieren zu können finde ich ideal. Außerdem ist die Atmosphäre hier schöner und es gibt andere Künstler und Kunsthandwerker in der Nachbarschaft. Wir tauschen uns aus und laden gemeinsam jedes Jahr im September zu den Rumpenheimer Kunsttagen ein,“ sagt Uhl.
Überhaupt sind es Verkaufsausstellungen und Kunsthandwerkermärkte, auf denen er seine Kleinode vorwiegend anbietet. 

„Durchschnittlich bin ich an zwei Wochenenden im Monat unterwegs, auch bis nach Süddeutschland und Luxemburg“, sagt er. Zwar verfügt sein Internetauftritt über einen Online-Shop mit mehr als 300 Schmuckstücken, doch der diene eher der Vorabinformation. Seine Kreationen müsse man fühlen und anprobieren, sehen, ob sie der Trägerin stehen. Männer gehörten seltener zu seiner Klientel. Die meisten suchten nach einem Geschenk für eine Frau. Er habe zwar beispielsweise auch eine Auswahl an Manschettenknöpfen gestaltet, doch seiner Erfahrung nach bevorzugten Männer eher klassische Accessoires. 

Eine Besonderheit meiner Kollektion ist die Ypsilon-Kette, die meist aus zwei verschiedenen Steinsträngen gefertigt ist. Am Dekolletee kommen beide in der Mitte zusammen, doch ein Strang ist länger, ragt nach unten und formt ein Ypsilon“, beschreibt er seinen Verkaufsschlager, der bei Schmucksammlerinnen begehrt ist. „Manche Liebhaberin kauft auch die sechste oder siebte Kette“, berichtet er.